7. Dezember 1835. Die Jungfernfahrt des Adlers. Raum und Zeit bekommen eine neue Dimension. Nur knapp zehn Minuten braucht der Zug aus England für die sechs Kilometer von Nürnberg nach Fürth. Von nun an ist das Reisen nicht mehr nur wenigen Privilegierten vorbehalten. 475 000 Fahrgäste befördert der Adler bereits im ersten Jahr.

Die Story – dass die Menschen vor dem Adler Angst hatte – ist eine Ente.

Die Begeisterung steckt an. Überall in Deutschland feiert man die Eröffnung von Eisenbahnlinien.Im Frühjahr 1839 wird die erste Fernstrecke zwischen Leipzig und Dresden eröffnet.Die Züge fahren bei Riesa sogar über die Elbe und in Oberau durch den ersten Eisenbahntunnel in Deutschland.

Köln war von Anbeginn ein Knotenpunkt

Im August 1839 wird dann in auch in Köln gefeiert. Salutschüsse begleiten die Einfahrt des ersten Zuges im Müngersdorfer Bahnhof „Belvedere“.Der Industriepionier Friedrich Harkort gründet vier Jahre später mit Gleichgesinnten die „Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft“. Die Aktiengesellschaft verlegt von Deutz aus Gleise ins Ruhrgebiet, sowie nach Hannover und Berlin. Der Kohle- und Stahlboom beginnt.

Verwirrende Ankunftzeiten – allein in Deutschland gibt es fünf Zeitzonen

Ab 1860 kann man fast alle deutschen Städte mit der Bahn erreichen. Allerdings gibt es ein Problem. Deutschland ist Ende des 19. Jahrhundert in fünf Zeitzonen aufgeteilt.Berlin hat seine eigene, ebenso München und Ludwigshafen. Und auch in Karlsruhe und Stuttgart ticken die Uhren anders.Deshalb stehen an vielen Bahnsteigen mehrere Uhren – eine zeigt die Zeit am Bahnhof die andere die, mit der die Bahngesellschaften rechnet. Dieses Zeitchaos erschwert den Personenverkehr und Güteraustausch.

Auf die Zeit muss Verlaß sein! Auch die Industrie rechnet mit ihr!

In Washington treffen sich schließlich Delegierte aus 25 Nationen zur „International Meridian Conference“. Sie einigen sich 1884 darauf, die Greenwich Mean Time (GMT) weltweit als einheitliche Normalzeit anzuerkennen. Neun Jahre später unterzeichnet Kaiser Wilhelm der Zweite ein Gesetz, mit dem die „mittlere Sonnenzeit des fünfzehnten Längengrades östlich von Greenwich“ im gesamten Deutschen Reich zur einzig gültigen Uhrzeit wird. Die Welt gerät in Bewegung und die Eisenbahn wird zum Taktgeber der neuen Zeit.